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Interview im Wahrschauer

aus: Wahrschauer Nr 42 (Herbst/Winter 2001)

Band
Tiefenrausch

Die Idee zur Band war schon lange da. 1997 war es so weit. Von der alten Besetzung ist nun nur noch die Hälfte dabei. Sex, Drugs, Rock 'n' Roll, da bleibt der eine oder andere auf der Strecke. Was einsam mit Gesang und Gitarre begann und tiefste Lagen des Lebens besang, wurde nach und nach zu einer Mischung aus schnellen Ska-Rhythmen, hüpfenden Reggea-Beats, Punk und Polka.

Wahrschauer: Eure Musikrichtung nennt Ihr Ska-Rock. Wollt Ihr keine typische Ska-Band sein?

Tiefenrausch: 90% unserer Musik ist Ska. Trotzdem spielen wir auf Konzerten auch mal 'ne Rock-Ballade, wenn sich der Inhalt im Ska nicht so gut ausdrücken lässt. Wir meinen, dass Ska-Rock wohl die passende Bezeichnung ist.

Wahrschauer: "Du und Ich" ist der Song auf dem Wahrschauer-Sampler. Textlich sehr sparsam gehalten. Ist das Euer Stil?

Tiefenrausch: In diesem Stück waren einfach nicht mehr Worte notwendig. Die Gedanken kreisen immer um die/den Geliebte(n), bei der Arbeit, im Bus... Jemand, der sonst keine Blumen kaufen oder klauen würde, tut es auf einmal und überwindet seine Schüchternheit. Liebe ist die Kraft, die sogar Steine zum blühen bringt! Nach Möglichkeit ist es unser Stil, Texte lieber kürzer zu fassen, als zu lang. Es gibt aber auch lyrische, verklausulierte Texte.

Wahrschauer: Der Name "Tiefenrausch" will sagen, dass traurige Erlebnisse durch musikalische Verarbeitung zu rauschhaften Glückszuständen werden. Hattet Ihr damals bei Eurer Namensgebung eine depressive Phase?

Tiefenrausch: Tatsächlich war das eine Zeit starker Gefühlschwankungen. Im ganzen wirklich eine depressive Phase. Es gab aber auch Hoffnung, die sagte, da ist Lich am Ende des Schachtes! Du schaffst es! Du kommst da raus! Tiefenrausch und die textlich-musikalische Verarbeitung von Erlebnissen und Sorgen haben dabei geholfen und vielleicht sogar einigen Hörern in ähnlicher Lage Kraft gegeben. So was freut uns dann!

Wahrschauer: Ihr singt auch über die Todesstrafe oder Naziaufmärsche...

Tiefenrausch: Es ist uns einfach wichtig, solche Themen anzusprechen und nicht zu sagen: "Wir sind eine reine Party-Band! Lasst uns das Böse der Welt vergessen!" Manchmal spielen wir auf Solidaritätskonuerten. Zu solchen Anlässen entstehen oft neue politische Texte. Niemand von uns spielt etwas, hinter dem er nicht steht. Es gibt auch Diskussionen in der Band, aber im Fall der Todesstrafe und Naziaufmärsche sind wir da absolut einer Meinung! Dagegen muss was getan werden!

Wahrschauer: Ihr singt außer auf Deutsch auch auf Französisch und Persisch. Wieso?

Tiefenrausch: Trampend erlent im Sommer auf den staubigen Straßen Frankreichs. Dann ist da noch ein Bezug zum Orientalischen, zur Wüste, zu Karawanen. Ein Interesse an Sprachen, Religionen und Kulturen. Sicherlich wird der Gesang hauptsächlich in deutscher Sprache bleiben, aber wir sind auch weiteren Sprachen gegenüber offen, wenn es sich ergibt!

Wahrschauer: Ihr habt Ausflüge in die indische Musik unternommen. Ist das dann Worldmusik-Ska?

Tiefenrausch: Nein, Worldmusik-Ska war es nicht! Klingt aber interessant, die Idee! Wir haben eher traditionelle indische Stücke am Ende der Konzerte mit Sitar und Tambura gespielt. War aber mehr ein Experiment.

Wahrschauer: Wo seid Ihr schon aufgetreten und mit welchen anderen Bands?

Tiefenrausch: Vor kurzem haben wir mit "PANTHEON ROCOCO" aus Mexiko im Lindenpark in Potsdam gespielt und dann auf dem Rio-Reiser-Preis. Das waren tolle Konzerte! Sonst spielen wir in Deutschland sehr viel live, besonders gerne im Knaack, Razzle Dazzle und in der Junction-Bar in Berlin.

Wahrschauer: Wie würdet Ihr die deutsche Ska-Szene beschreiben? Wo seht Ihr Euch da selbst als Band?

Tiefenrausch: Es gibt fast zu wenige Bands für das Publikum, das Ska live hören will! Die Beliebtheit von Ska wird steigen! Wir hoffen, einen Teil dazu beizutragen!

Tanka Ticker

Tiefenrausch live in Berlin: 27.10. im Köpi (Pankow) Soli-Konzert für die Gefangenen und Verletzten in Genua, 29.11. Skalympics, 15.12. Knaack, 4.1. Junction-Bar.


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